Jerry hatte im Oktober 2003 Harnröhrengrieß der so plötzlich kam, dass er keinen Urin mehr absetzen konnte und sich erbrach. Da ich weiß, jede Minute zählt, fuhr ich zur Tierklinik, da wie so oft mein damaliger Tierarzt nicht erreichbar war. Leider musste ich meinen Jerry, von dem ich noch nie getrennt war, in der Tierklinik lassen. Jeden Tag rief ich mehrmals an, wie es ihm geht. Nach 4 Tagen hatte ich die Nase gestrichen voll und wollte meinen Kater aus der Tierklinik holen, was die Klinik mit einem "Nein" zu verstehen gab. Da ich aber keine Notwendigkeit für einen längeren Tierklinikaufenthalt sah, da mein Kater wieder Urin absetzen konnte, bestand ich darauf, dass er um 16 Uhr abholungsbereit war.
Wie gesagt waren es 4 Tage, die er weg war, ich brachte ihn mit 7kg in die Tierklinik und war erschrocken. Als ich ihn sah, holte ich ihn mit 3,5 kg wieder ab, was war mit ihm geschehen?

Ich machte sofort einen Termin bei meinem damaligen Tierarzt und auch er war erschrocken und meinte "Was ist denn mit Jerry passiert?" Sofort machte er eine Röntgenaufnahme vom seinem Brustkorb, sein Herz war schwach und seine Lunge gefüllt mit Wasser. Er gab mir Herztabletten mit und alle 2 Tage sollte ich ihm eine viertel Entwässerungstablette geben. Die Worte meines damaligen Tierarztes waren: "Genießen Sie die Zeit, die Sie noch mit ihm haben".

Drei Monate ging es gut und Jerry erholte sich sogar. Bis zu dem Tag, an dem er blind wurde. Erschrocken und voller Traurigkeit rief ich unseren damaligen Tierarzt an, ob es jetzt nicht besser für Jerry wäre ihn einzuschläfern, um ihm weiteres Leid zu ersparen, aber die Tierarzthelferin meinte, solange er noch frisst und sich nicht verkriecht wäre alles in Ordnung. Damals glaubte ich daran, da man ja an seinem Tier hängt. Doch trotzdem sagte mein Herz und mein Verstand, erlöse ihn. Am nächsten Tag rief ich also wieder in der Praxis an, doch mir wurde das gleiche gesagt, nein solange er frisst und sich nicht verkriecht....

Den letzten Abend werde ich nicht vergessen. Jerry holte uns wie gesagt immer noch jeden Abend von der Haustüre ab. Kurz bevor Achim von der Arbeit kam ging Jerry zur Haustür, die er erst nicht fand und immer vor die Wohnzimmerwand lief. Behutsam drehte ich ihn in Richtung Tür und er begrüßte freudig seinen Kumpel Achim. Abends ging er wie gewohnt mit ins Bett, aber nicht wie sonst, sondern er gab mir und Achim einen Stupser und ging aus dem Bett und legte sich in sein Körbchen.

Um 24:00Uhr erbrach Jerry sich im Flur und Achim stand auf und guckte nach ihm. Kurze Zeit später kam Achim ins Schlafzimmer und weckte mich mit den Worten "Simone ich glaube Jerry stirbt". Mein Herz pochte, ich war wie gelähmt und dachte, ich versinke mit dem Bett im Erdboden. Aber es war doch mein tapferer Jerry, also habe ich mich zusammen gerissen und voller Angst guckte ich ,wo er war. Jerry hörte mich, als ich kam, und ein Bild des Schreckens sah ich. Er lag lang ausgestreckt und hatte Urin unter sich, keine Kraft aufzustehen.Seine Ohren gingen nach vorne, als ich zu ihm kam. Als ob er sagen wollte "Hilf mir, Du hast mir doch immer geholfen!" Plötzlich bekam er einen Krampfanfall er wurde ganz steif, schmiss sich dabei nach links und nach rechts und keuchte, seine Pfoten waren nass geschwitzt und seine Zunge lief blau an. Ich rief sofort die Tierklinik an, ob wir zum Einschläfern kommen können. In lauter Eile zog ich meine Anziehsachen über meinen Schlafanzug und ging wieder zurück zu meinem Jerry, Achim zog sich an. Als er zurück kam sagte ich, wenn wir jetzt fahren, stirbt mir Jerry auf der Treppe weg, es ist soweit. Ein paar Minuten später war Jerry tot.

Tommy, mein anderer Kater, stand wie eine Salzsäule am Wohnzimmerschrank, jetzt konnte ich Jerry doch nicht tot in der Wohnung liegen lassen. Ein letztes mal nahm ich ihn auf den Arm, gab ihm ein Abschiedsküsschen und unter Tränen legte ich ihn in seinen Transportkorb. Tommy kam auch und gab Jerry einen letzten Abschiedsstupser.

Dieser schreckliche Todeskampf hätte nicht sein müssen, wenn ich auf mein

  Herz und meinen Verstand gehört hätte und heute gebe ich mir immer

noch die Schuld dafür